Wie läuft eine CM-Messung Schritt für Schritt ab?
Die CM-Messung, ausgeschrieben Calciumcarbid-Methode, misst den Wassergehalt einer Estrichprobe über einen Gasdruck. Calciumcarbid reagiert mit Wasser zu Acetylen, und die Gasmenge ist der Wassermenge proportional. Die Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG BAU) beschreibt den Ablauf in BauPortal 4/2021: Probe entnehmen, durchmischtes Material einwiegen, mit Stahlkugeln und Glasampulle in die Druckflasche füllen, verschließen, schütteln, Druckanstieg am Manometer ablesen.
- Gerät prüfen: Dichtung und Manometer kontrollieren, bei Zweifel mit der Prüfampulle testen, die 1,0 Milliliter Wasser enthält. Vier Stahlkugeln in die Druckflasche geben. So beschreibt es die Arbeitsanweisung von Knauf (Technische Information 10/2017).
- Probe entnehmen: Den Estrich bis zur Folie durchstemmen und die Durchschnittsprobe über den ganzen Querschnitt nehmen, nicht nur von der Oberfläche. Bei Heizestrich nur an den gekennzeichneten Messstellen stemmen, damit kein Heizrohr getroffen wird.
- Zerkleinern und wiegen: Die Probe in der Schale so weit zerkleinern, dass die Kugeln den Rest schaffen, dann einwiegen. Knauf nennt 100 Gramm für Calciumsulfat-Fließestrich; die Richtlinie der österreichischen Bodenleger nennt für Zementestrich 20 Gramm, nahe am Grenzwert 50 Gramm.
- Befüllen: Prüfgut mit den Kugeln durch den Trichter einfüllen, Flasche schräg halten und die Calciumcarbid-Ampulle hineinrutschen lassen, ohne sie zu zerbrechen.
- Schütteln: Flasche verschließen und kräftig kreisend schütteln, bis die Ampulle bricht und der Zeiger steigt. Zwei Minuten lang weiter bewegen, damit die Kugeln die Probe zerkleinern.
- Warten und ablesen: Nach 5 Minuten eine weitere Minute schütteln, nach 10 Minuten noch einmal 10 Sekunden, dann den Druck ablesen und über die Tabelle des Geräteherstellers in CM-Prozent umrechnen.
- Protokollieren und leeren: Einwaage, Manometerdruck, CM-Prozent, Estrichdicke, Raum, Datum und Prüfer eintragen. Beim Entleeren prüfen, ob die Probe vollständig zerkleinert war; sonst die Messung samt neuer Probe wiederholen.
Die Messung dauert mit Probenahme rund eine halbe Stunde je Messstelle und hinterlässt ein Loch im Estrich, das der Estrichleger wieder schließt. Die Probe muss schnell verarbeitet werden. Knauf warnt vor Sonneneinstrahlung und Luftzug bei der Vorbereitung, weil die Probe sonst Feuchte verliert und der Wert zu niedrig ausfällt.
2,0 CM-Prozent bei Zement und 0,5 bei Calciumsulfat gelten als belegreif
Zementestrich gilt bei höchstens 2,0 CM-Prozent als belegreif, beheizt bei 1,8; Calciumsulfatestrich bei höchstens 0,5 CM-Prozent, beheizt bei 0,3. Diese Richtwerte nennen die BG BAU in BauPortal 4/2021 und die gemeinsame Erklärung des Bundesverbands Estrich und Belag (BEB) und des Zentralverbands des Deutschen Baugewerbes (ZDB) zur CM-Messung. Belegreif heißt, dass ein Bodenbelag auf dem Estrich keinen Schaden durch nachströmende Feuchte nimmt.
| Estrichart | Unbeheizt | Beheizt | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| Zementestrich unter elastischen und textilen Belägen, Laminat, Parkett | 2,0 CM-% | 1,8 CM-% | VDZ B19 und BEB/ZDB |
| Zementestrich unter keramischen Belägen und Naturstein | 2,0 CM-% | 2,0 CM-% | BEB/ZDB: unter keramischen Belägen auch beheizt 2,0 |
| Zementestrich unter dampfdurchlässigen Belägen oder Fliesen im Dickbett | 3,0 CM-% | 3,0 CM-% | VDZ B19, Tafel 17 |
| Calciumsulfatestrich | 0,5 CM-% | 0,3 CM-% | BG BAU: DIN 18560 nennt 0,5, das bodenlegende Handwerk arbeitet mit 0,3 beheizt |
| Magnesiaestrich im Industriebereich | 1,0 bis 3,5 CM-% | keine Angabe | BEB/ZDB: je nach organischem Anteil, Steinholz 2,5 bis 10,0 |
Hersteller dürfen für ihre Produkte eigene Werte nennen. Knauf gibt für seine Calciumsulfat-Fließestriche unter dampfoffenen Belägen und unter Fliesen bis zu 1,0 CM-Prozent frei, unter PVC und Parkett 0,5 CM-Prozent, bei Heizestrich 0,5 CM-Prozent. Solche Freigaben gelten nur für das benannte Produkt und nur mit der Verarbeitungsanleitung in der Hand. Ohne Herstellerangabe gelten die Verbandswerte.
Warum bleibt die CM-Messung der Maßstab trotz ihrer Fehlerquellen?
Die CM-Messung bleibt der Maßstab, weil sie vor Ort ohne Labor auskommt, weil die Regelwerke sie vorschreiben und weil ihre Fehler bekannt und vermeidbar sind. Die BG BAU schreibt, der Feuchtegehalt müsse nach VOB/ATV durch das bodenlegende Gewerk geprüft werden, und das VDZ-Merkblatt B19 verweist bei allen Feuchtewerten auf die Messung mit dem CM-Gerät. Die Richtlinie der österreichischen Bodenleger vom Dezember 2019 räumt zugleich ein, dass die Methode eine handhabungsbedingt relativ große Messunsicherheit hat.
- Probe nur von der Oberfläche: Der Estrich trocknet von oben nach unten, die Oberfläche ist immer trockener als der Kern. BEB und ZDB verlangen eine gleichmäßige Probe über den ganzen Querschnitt.
- Probe nicht vollständig zerkleinert: Eingeschlossenes Wasser reagiert nicht, der Wert fällt zu niedrig aus. BEB und ZDB nennen die vollständige Zerkleinerung als Voraussetzung für ein richtiges Ergebnis.
- Zu kurz gewartet oder Wasserspritzer unter dem Deckel: Beides zeigt nach der Bodenleger-Richtlinie einen zu niedrigen Druck. Die Flasche einmal auf den Kopf drehen bringt die Spritzer zur Reaktion.
- Sonne und Zugluft bei der Vorbereitung: Die Probe verliert Feuchte, bevor sie in der Flasche ist, so die Warnung von Knauf.
- Bei Calciumsulfatestrich zu lange gewartet: Nach 10 Minuten steigt der Druck weiter, weil chemisch gebundenes Wasser erfasst wird. Knauf schreibt, dieser Anstieg zählt nicht.
- Gerät und Ampullen von verschiedenen Herstellern: Die Umrechnungstabelle passt dann nicht. Die Bodenleger-Richtlinie verlangt Gerät, Ampullen und Kugeln aus einer Hand und eine jährliche Kontrolle des Geräts.
Welche anderen Messverfahren gibt es und was taugen sie?
Neben der CM-Messung gibt es zerstörungsfreie elektrische Verfahren und die KRL-Methode. Die VdS 3150, die Richtlinie der VdS Schadenverhütung zur Leitungswasserschaden-Sanierung (Ausgabe 2025-01), stellt die Verfahren im Anhang A11 gegenüber. Das dielektrische Hochfrequenzverfahren misst zerstörungsfrei an Estrichen, Mauerwerk und Putz, liefert aber nur relative Vergleichswerte, keine Tiefenmessung, und wird durch Salze und Metalle gestört. Die Widerstandsmessung mit eingeschlagenen Elektroden eignet sich für Dämmschichten, Holz und Gipskarton und wird von Materialtemperatur und Salzgehalt verfälscht.
Die KRL-Methode misst die korrespondierende relative Luftfeuchte in einem Bohrloch, das eine Weile verschlossen bleibt. Die BG BAU nennt als Richtwert 80 Prozent relative Feuchte, 75 Prozent für beheizte Estriche. Das Verfahren erfasst die Feuchte, die der Estrich an den Belag abgeben kann, ist aber in Deutschland noch nicht in den Verbandsregeln als Abnahmemaßstab verankert.
Soll ein Bodenbelag verlegt werden und brauchen Sie einen Wert, der vor Gericht und gegenüber dem Bodenleger zählt?
CM-Messung. Sie ist das Verfahren, auf das VDZ, BEB, ZDB und die VOB-Prüfpflicht des Bodenlegers abstellen. Protokoll mit Einwaage, Druck und CM-Prozent aufbewahren.
Geht es um den Verlauf einer Trocknung nach einem Wasserschaden, also um Vergleichswerte über Tage und Wochen?
Elektrische Messung mit dielektrischem Gerät oder Widerstandselektroden, wie die VdS 3150 sie für das Trocknungsprotokoll vorsieht. Immer dieselbe Messstelle, dasselbe Gerät, dieselbe Skala.
Erst die Frage klären. Ein einzelner Messwert ohne Vergleichsstelle und ohne Grenzwert sagt nichts. Die VdS 3150 verlangt, die Messmethode nach Material und Aufbau zu wählen und jeden Messpunkt zu dokumentieren.
Nach einem Wasserschaden ergänzen sich beide Welten. Der Fachbetrieb verfolgt die Trocknung mit elektrischen Messungen an festen Messpunkten, die er nach VdS 3150 in einen Grundriss einträgt, mit Gerät, Messeinheit und Verfahren. Vor der Verlegung des neuen Belags misst der Bodenleger zusätzlich nach CM. Der elektrische Wert sagt, dass die Trocknung fertig ist; der CM-Wert sagt, dass der Belag darf.
Wer misst, wer haftet und was steht im Protokoll?
Der Bodenleger misst, weil er nach VOB/C DIN 18365 Bedenken anmelden muss, wenn der Untergrund nicht genügend trocken ist. Das Institut für Fußbodenbau erklärt, dass diese Prüfpflicht zum Vertrag gehört und dass der Bodenleger ohne Messung nicht beurteilen kann, was er verlegt. Verlegt er trotzdem und der Belag schlägt Blasen oder löst sich, haftet er, nicht der Estrichleger. Bei Heizestrich verlangt das VDZ-Merkblatt die CM-Kontrolle nach dem Belegreifheizen an den gekennzeichneten Messstellen.
Das Protokoll ist das Beweisstück. Knauf sieht darin je Messung Raumnummer, Prüfer, Datum, Einwaage in Gramm, Manometeranzeige in bar, Wassergehalt in Prozent und Estrichdicke vor, dazu die Unterschriften von Bauherr, Bauleitung und Heizungsbauer. Die Bodenleger-Richtlinie ergänzt Uhrzeit, Raumklima und Bodentemperatur. Ein Protokoll ohne Einwaage und Druck ist kein Protokoll, weil sich der CM-Wert daraus nicht nachrechnen lässt.
Was passiert, wenn ohne Messung verlegt wird?
Ein Belag auf zu feuchtem Estrich schließt das Wasser ein, und das Wasser sucht sich seinen Weg: in den Kleber, in die Trittschalldämmung, in die Randfuge. Das Umweltbundesamt nennt in Anlage 6 seines Schimmelleitfadens (Auflage April 2024) Schäden aufgrund von Neubaurestfeuchte als sehr häufigen Fall, bei dem der Randbereich der Bodenkonstruktion mikrobiell befallen ist. Die Sanierung heißt dann Randfugensanierung mit Entfernen des Randstreifens und Abdichten der Fuge, im schlechteren Fall Rückbau des Estrichs.
Das VDZ-Merkblatt B19 fasst die Regel in einen Satz: Zementestriche dürfen erst belegt werden, wenn sie ausreichend trocken sind. Die 28 Tage aus dem Merkblatt sind ein Anhaltswert, keine Freigabe. Bei ungünstigem Klima kann sich nach VDZ sogar Feuchte im Estrich anreichern, weil Wasser aus warmer, feuchter Luft kondensiert. Nur die Messung zeigt, ob der Anhaltswert in Ihrem Raum gestimmt hat.
Für Bauherren heißt das: Der Termin des Bodenlegers richtet sich nach dem Messwert, nicht der Messwert nach dem Termin. Wer eine Woche Trocknung spart, kauft sich mit einiger Wahrscheinlichkeit eine Randfugensanierung. Die kostet mehr als die Woche.
Häufige Fragen
Was ist eine CM-Messung beim Estrich?
Eine CM-Messung bestimmt den Feuchtegehalt eines Estrichs mit der Calciumcarbid-Methode. Eine zerkleinerte, gewogene Estrichprobe wird mit einer Calciumcarbid-Ampulle in einer Druckflasche geschüttelt, das Wasser der Probe reagiert zu Acetylen, und der Druck am Manometer wird nach 10 Minuten in CM-Prozent umgerechnet.
Welcher CM-Wert ist für Zementestrich zulässig?
Für Zementestrich ist ein Wert von höchstens 2,0 CM-Prozent zulässig, bei beheiztem Estrich unter elastischen Belägen, Laminat und Parkett höchstens 1,8 CM-Prozent. Unter dampfdurchlässigen Belägen oder Fliesen im Dickbett nennt das VDZ-Merkblatt B19 3,0 CM-Prozent. Die BG BAU und die Erklärung von BEB und ZDB bestätigen die Werte 2,0 und 1,8.
Welcher CM-Wert gilt für Anhydritestrich?
Für Anhydritestrich, also Calciumsulfatestrich, gilt ein Richtwert von höchstens 0,5 CM-Prozent, bei beheiztem Estrich 0,3 CM-Prozent. Die BG BAU nennt 0,5 nach DIN 18560 und 0,3 als Wert des bodenlegenden Handwerks für beheizte Estriche. Hersteller wie Knauf geben für einzelne Produkte unter bestimmten Belägen bis zu 1,0 CM-Prozent frei.
Wer muss die CM-Messung vor der Verlegung durchführen?
Die CM-Messung vor der Verlegung führt der Bodenleger durch, weil er nach VOB/C DIN 18365 Bedenken anmelden muss, wenn der Untergrund nicht genügend trocken ist. Die BG BAU schreibt, der Feuchtegehalt sei nach VOB/ATV durch das bodenlegende Gewerk zu prüfen. Verlegt er ohne Messung, haftet er für Schäden am Belag.
Wie viel Estrich wird für eine CM-Messung eingewogen?
Für eine CM-Messung werden bei Calciumsulfat-Fließestrich 100 Gramm eingewogen, so die Arbeitsanweisung von Knauf. Für Zementestrich nennt die Richtlinie der österreichischen Bodenleger 20 Gramm, nahe am Grenzwert 50 Gramm. Die Probe wird über den ganzen Estrichquerschnitt entnommen und vollständig zerkleinert.
Warum ist die CM-Messung ungenau und trotzdem vorgeschrieben?
Die CM-Messung hat nach der Bodenleger-Richtlinie eine handhabungsbedingt relativ große Messunsicherheit, weil Probenahme, Zerkleinerung und Wartezeit das Ergebnis beeinflussen. Sie ist trotzdem vorgeschrieben, weil VDZ, BEB, ZDB und die VOB-Prüfpflicht auf sie abstellen und weil sie vor Ort ohne Labor ein protokollierbares Ergebnis liefert.