Was tun Sie in den ersten zehn Minuten nach dem Wasserschaden?
In den ersten Minuten geht es um Gefahren, nicht um Schäden. Die VdS 3150, die Richtlinie der VdS Schadenverhütung zur Leitungswasserschaden-Sanierung in der Ausgabe 2025-01, stellt in Kapitel 2 den Schutz von Leib und Leben vor jede andere Maßnahme. Die Reihenfolge ist deshalb festgelegt: erst Strom, dann Wasser, dann Menschen informieren, dann Wasser entfernen.
- Strom abschalten: Schalten Sie im betroffenen Bereich elektrische Anlagen und Geräte aus und unterbrechen Sie die Stromzufuhr an der Sicherung. Betreten Sie keinen überfluteten Raum, in dem Steckdosen oder Leitungen unter Wasser stehen könnten. Ist der Sicherungskasten selbst nass, bleibt er zu.
- Wasser abstellen: Bei Austritt aus der Trinkwasserleitung drehen Sie das Absperrventil am Wasserzähler zu. Dort lässt sich die Zufuhr für die ganze Wohnung oder das Gebäude unterbrechen. Bei einer defekten Waschmaschine reicht das Eckventil hinter dem Gerät.
- Mitbewohner, Hausmeister, Hausverwaltung und Vermieter informieren: Sonst öffnet jemand die Wasserzufuhr wieder, und der Schaden läuft weiter. Auch die Nachbarn darunter brauchen die Nachricht, weil Wasser durch Decken zieht.
- Wasser entfernen: Eimer, Lappen, Handtücher, bei größeren Mengen ein Nasssauger. Je schneller das Wasser weg ist, desto kleiner bleibt der Schaden. Bei fäkalhaltigem Wasser gelten Hygiene und Schutzausrüstung, die VdS 3154 beschreibt das eigens.
- Inventar sichern: Möbel, Teppiche und empfindlichen Hausrat aus dem nassen Bereich in trockene Räume tragen. Was nicht zu tragen ist, auf Klötze oder Folie stellen.
Wie bekommen Sie das Wasser aus dem Keller und wann rufen Sie die Feuerwehr?
Die Feuerwehr pumpt einen Keller nur aus, wenn Leib und Leben in Gefahr sind, etwa bei Heizöl im Wasser, Gasgeruch oder eingeschlossenen Personen. Die Gemeinde Geeste erklärt in einer Mitteilung ihrer Feuerwehr aus dem Jahr 2024, dass die Feuerwehrpumpen bei geringen Wassermengen gar nicht einsetzbar sind und solche Einsätze in der Regel kostenpflichtig sind, weil es sich um keine Rettung aus akuter Gefahr handelt. Die Feuerwehren raten zur Selbsthilfe oder zu einer Fachfirma.
Für alles unterhalb der Gefahrenschwelle helfen Nasssauger, Tauchpumpen und der Notdienst eines Sanierungsbetriebs. Ein Nasssauger aus dem Baumarkt nimmt Pfützen und einige Zentimeter Wasser auf. Steht das Wasser höher, brauchen Sie eine Tauchpumpe mit Schlauch nach draußen oder in den Abfluss. Beides vermieten Baumärkte und Bautrockner-Verleiher tageweise.
- Notruf 112 nur bei Gefahr: Strom im Wasser, Heizöl oder Chemikalien im Wasser, Gasgeruch, einstürzende Decken, Personen im überfluteten Bereich.
- Nasssauger ab wenigen Litern: Behälter regelmäßig leeren, Wasser in Toilette oder Abfluss, nicht in den Garten neben dem Haus.
- Tauchpumpe ab Knöchelhöhe: Schlauch mit Gefälle nach außen legen, Pumpe an einer trockenen Steckdose oder über einen Fehlerstromschutzschalter anschließen.
- Sanierungsbetrieb mit Notdienst ab Kniehöhe oder bei Fäkalwasser: Er pumpt ab, misst die Feuchte und stellt am selben Tag die ersten Trockner auf.
- Heizöl im Wasser: Nichts abpumpen und keine Geräte einschalten, sondern die Feuerwehr verständigen. Heizöl im Wasser ist einer der Fälle, in denen der Notruf berechtigt ist.
Die Verbraucherzentrale nennt in ihrem Ratgeber vom 14. August 2026 die Reihenfolge Sichern, Dokumentieren, Informieren und erinnert an die Pflicht, den Schaden zu mindern. Bei wenig Wasser beginnen Sie sofort nach den Fotos mit dem Abschöpfen und Trockenlegen. Wer wartet, bis der Regulierer da ist, verletzt diese Pflicht.
Wie dokumentieren Sie den Schaden, bevor Sie aufräumen?
Sie fotografieren jeden betroffenen Raum, bevor Sie Wasser entfernen oder Möbel rücken. Der Gemeinsame Allgemeine Teil der GDV-Musterbedingungen (Stand Juni 2026) verlangt in B3.3.2.2 Buchstabe d, das Schadenbild bis zur Freigabe durch den Versicherer unverändert zu lassen. Sind Veränderungen unumgänglich, dokumentieren Sie das Schadenbild nachvollziehbar durch Fotos und bewahren beschädigte Sachen bis zur Besichtigung auf.
Die VdS 3150 beschreibt, was auf die Fotos gehört: die Stelle des Wasseraustritts, betroffene Gebäudeteile mit Wasserstandsmarken und betroffene Einrichtungsgegenstände, jeweils als Übersichts- und als Detailfoto. Auf dem Detailfoto muss die Beschädigung eindeutig zu erkennen sein. Ein Zollstock im Bild gibt den Maßstab.
Ausgetauschte Bauteile wie Schläuche, Armaturen oder Rohrabschnitte bewahren Sie bis zur Freigabe durch die Versicherung auf. Sie beweisen, dass Leitungswasser die Ursache war, und damit die Ersatzpflicht. Beschädigten Hausrat entsorgen Sie erst, wenn die Hausratversicherung zugestimmt hat. Legen Sie eine Liste mit Gegenstand, Kaufdatum und Neupreis an.
Fünf Stellen erfahren am Schadentag vom Wasserschaden
Am Schadentag informieren Sie die Versicherung, als Mieter den Vermieter und bei einem Mehrfamilienhaus die Hausverwaltung und die Nachbarn. Die Tabelle zeigt, wer wann Bescheid bekommt und warum das Gesetz oder die Versicherungsbedingungen es verlangen.
| Wer | Wann | Warum | Grundlage |
|---|---|---|---|
| Mitbewohner, Hausmeister, Hausverwaltung | sofort, noch vor dem Aufräumen | Verhindert, dass jemand die Wasserzufuhr wieder öffnet; löst Maßnahmen im Haus aus | VdS 3150, Kapitel 2 |
| Wohngebäude- oder Hausratversicherung | unverzüglich, am selben oder nächsten Tag, auch telefonisch | Sonst Kürzung oder Leistungsfreiheit bei Obliegenheitsverletzung | GDV-Musterbedingungen B3.3.2.2 a, § 30 VVG |
| Vermieter (als Mieter) | unverzüglich | Bei unterlassener Anzeige haften Sie für Folgeschäden und verlieren die Mietminderung | § 536c BGB |
| Nachbarn unter und neben Ihnen | sofort | Wasser zieht durch Decken; deren Hausrat- und Ihre Haftpflichtversicherung brauchen die Meldung | Bund der Versicherten, Ratgeber vom 24. Oktober 2024 |
| Feuerwehr über 112 | nur bei Gefahr für Leib und Leben | Ohne Gefahr kein Einsatz, sonst kostenpflichtig | Mitteilung der Feuerwehr Geeste, 2024 |
Der Bund der Versicherten erklärt die Zuständigkeit: Die Gebäudeversicherung des Eigentümers zahlt Wände, Böden und Decken, die Hausratversicherung des Bewohners Möbel und Kleidung, die Privathaftpflicht des Verursachers den Schaden beim Nachbarn. Als Mieter melden Sie deshalb zwei Stellen, Vermieter und eigene Hausratversicherung. Wer nur eine meldet, lässt die Hälfte des Schadens offen.
Wann muss die Trocknung beginnen und was passiert sonst?
Die technische Trocknung beginnt innerhalb weniger Tage, weil das Umweltbundesamt (UBA) nach etwa einem Monat Feuchte mit mikrobiellem Wachstum rechnet. Der UBA-Leitfaden zur Vorbeugung, Erfassung und Sanierung von Schimmelbefall in Gebäuden (Auflage April 2024) hält in Anlage 6 einen Rückbau des Fußbodens für nicht erforderlich, wenn es sich um ein einmaliges, kurzzeitiges Ereignis ohne fäkalhaltiges Wasser handelt, die Baustoffe schwer besiedelbar sind und eine ausreichende Trocknung innerhalb von etwa einem Monat nach Schadenseintritt sichergestellt werden kann.
Zieht sich die Trocknung über mehr als drei Monate hin oder tritt der Schaden wiederholt auf, empfiehlt derselbe Leitfaden bei leicht besiedelbaren Baustoffen den Rückbau der Fußbodenkonstruktion. Aus einem Wasserschaden wird dann eine Schimmelsanierung mit Estrichabbruch. Der Zeitpunkt des Trocknungsbeginns entscheidet also darüber, ob Sie zwei Wochen Trockner oder acht Wochen Baustelle bekommen.
Ist nur die Oberfläche nass, etwa Fliesen, Laminat oder ein Teppich, und war das Wasser binnen Stunden weg?
Bleibt die Wand oder der Boden nach 48 Stunden Lüften und Heizen fühlbar feucht oder zeigt ein Feuchtemessgerät erhöhte Werte?
Fachbetrieb beauftragen. Feuchte in Putz, Estrich oder Dämmung kommt ohne Messung und Gerät nicht heraus. Die VdS 3150 sieht vor jeder Trocknung eine Feuchtemessung vor.
Selbst trocknen reicht: Lüften, heizen, gegebenenfalls einen gemieteten Kondenstrockner aufstellen. Nach einer Woche mit einem Feuchtemessgerät nachprüfen.
Stand Wasser länger als einen Tag, liegt ein schwimmender Estrich mit Dämmschicht darunter oder war Abwasser beteiligt?
Fachbetrieb mit Dämmschichttrocknung oder Rückbau. Die VdS 3150 nennt das Unterdruckverfahren als Regelmethode; bei Fäkalwasser prüft der Betrieb nach dem UBA-Leitfaden, ob der Boden raus muss.
Fachbetrieb für die Feuchtemessung beauftragen und danach entscheiden. Eine Messung kostet weniger als eine verschleppte Trocknung.
Als Eigentümer stimmen Sie den Auftrag mit der Gebäudeversicherung ab, bevor der Betrieb beginnt. Nach § 82 Abs. 2 VVG müssen Sie Weisungen des Versicherers befolgen und einholen, soweit die Umstände es gestatten. Die meisten Versicherer nennen am Telefon einen Partnerbetrieb oder geben die Beauftragung frei. Kosten, die auf Weisung des Versicherers entstehen, ersetzt er nach A 17.7 der VGB 2022 ohne Obergrenze.
Welche Fehler kosten Sie den Versicherungsschutz?
Vier Fehler kosten regelmäßig Geld: die verspätete Meldung, das veränderte Schadenbild, die grobe Fahrlässigkeit vor dem Schaden und die eigenmächtige Modernisierung. Stiftung Warentest berichtet im Februar 2026 von einem Hausbesitzer, der Wochen mit der Meldung wartete und über 70.000 Euro verlor, weil der Versicherer ablehnte.
Grobe Fahrlässigkeit liegt nach den Beispielen von Stiftung Warentest vor, wenn Sie im Winter nicht heizen und die Leitung einfriert, den Außenwasserhahn bei Frost nicht entleeren oder bei alten Waschmaschinen ohne Aquastopp den Hahn nach dem Waschgang offen lassen. Nach § 82 Abs. 3 VVG darf der Versicherer bei grober Fahrlässigkeit die Leistung im Verhältnis zur Schwere des Verschuldens kürzen. Die Beweislast dafür, dass keine grobe Fahrlässigkeit vorlag, tragen Sie.
Modernisierungen zahlen Sie selbst. Die VdS 3150 nennt in Abschnitt 6.4.2 Beispiele: Parkett statt Laminat, der Anstrich des ganzen Zimmers statt der beschädigten Wand, ein neues Bad statt der Reparatur der Schadenstelle. Wer solche Arbeiten mit der Schadenbeseitigung verbindet, weist sie getrennt aus und klärt vorher mit dem Versicherer, welche Leistungen er übernimmt.
Häufige Fragen
Was ist bei einem Wasserschaden als Erstes zu tun?
Bei einem Wasserschaden schalten Sie als Erstes den Strom im betroffenen Bereich ab, dann drehen Sie das Absperrventil am Wasserzähler zu. Die VdS 3150 stellt den Schutz von Leib und Leben vor jede andere Maßnahme, weil Wasser Strom leitet. Danach informieren Sie Mitbewohner und Hausverwaltung und entfernen das Wasser.
Kommt die Feuerwehr, wenn der Keller unter Wasser steht?
Die Feuerwehr kommt bei Wasser im Keller nur, wenn Leib und Leben in Gefahr sind, etwa bei Strom oder Heizöl im Wasser. Bei geringen Wassermengen sind ihre Pumpen nicht einsetzbar, und der Einsatz ist in der Regel kostenpflichtig, wie die Feuerwehr der Gemeinde Geeste 2024 mitteilte. Nasssauger, Tauchpumpe oder Sanierungsbetrieb sind der übliche Weg.
Darf ich nach einem Wasserschaden aufräumen, bevor die Versicherung den Schaden gesehen hat?
Nach einem Wasserschaden dürfen Sie aufräumen, sobald Sie das Schadenbild mit Fotos festgehalten haben und beschädigte Sachen aufbewahren. Die GDV-Musterbedingungen verlangen in B3.3.2.2, das Schadenbild bis zur Freigabe unverändert zu lassen, erlauben aber unumgängliche Veränderungen wie das Entfernen von Wasser, wenn Sie sie dokumentieren.
Wie schnell muss die Trocknung nach einem Wasserschaden beginnen?
Die Trocknung nach einem Wasserschaden beginnt innerhalb weniger Tage. Der UBA-Schimmelleitfaden von 2024 hält einen Rückbau des Fußbodens für vermeidbar, wenn die Trocknung innerhalb von etwa einem Monat nach Schadenseintritt abgeschlossen ist. Dauert sie länger als drei Monate, empfiehlt das Umweltbundesamt bei leicht besiedelbaren Baustoffen den Rückbau.
Muss ich als Mieter den Wasserschaden dem Vermieter melden?
Als Mieter müssen Sie den Wasserschaden dem Vermieter unverzüglich melden. § 536c BGB verpflichtet Sie dazu, und wer die Anzeige unterlässt, haftet für den dadurch entstehenden Schaden und verliert für diese Zeit das Recht auf Mietminderung. Zusätzlich melden Sie Schäden an Ihren Möbeln der eigenen Hausratversicherung.